...und plötzlich war es still.

Niemand möchte es wahrhaben, dass Hunde ein kürzeres Leben haben als wir und dass irgendwann der Tag kommt, an dem sie uns verlassen.  Wobei verlassen das falsche Wort ist, sie wechseln nur die Räume. In unseren Herzen und in unseren Gedanken sind sie immer bei uns, solange wir leben.

Den Prozess des Abschiednehmens habe ich mit Rocky sehr bewusst erlebt. Hierfür habe ich mir Hilfe von Tina Hillebrand (http://www.tiere-anders-behandeln.de) geholt, weil ich wusste, dass ich bei ihr die Hilfe finde, die Rocky und ich brauchen.

Unser erstes Telefonat hat mich schon geflasht. Da sitzt Du da und kämpfst mit diesem schrecklichen Gedanken, dass Dir nur noch Tage oder Wochen mit Deinem Hund bleiben und dann ist da diese warme, herzliche und beruhigende Stimme von Tina in der Leitung. Ich habe ihr die Geschichte von Rocky erzählt und dass ich mir sicher bin, dass wir nicht mehr lange Zeit haben.

Mein Wunsch war es, dass wir Rockys letzte Zeit so gestalten wie er es sich wünscht.

Einen Tag nach unserem Telefonat hat Tina via Tierkommunikation mit Rocky Kontakt aufgenommen. Das Gespräch hat sie mir am Telefon erzählt und am Abend dann per E-Mail zukommen lassen. Was soll ich sagen? Zwischen dicken Krokodilstränen war ich einfach nur baff über die Weisheit und Güte meines kleinen Spaniels.

Er, der eine endlos lange Leidensgeschichte hat und eine Krankenakte, die dem Umfang der Bibel ähnelt, war entspannt, fröhlich und hatte überhaupt keine Angst vor dem was da kommt. Durch die Gespräche mit Tina konnte ich dem Thema Tod auch endlich furchtlos ins Auge sehen und mich darauf einlassen, dass es nicht schlimm ist, die Seiten zu wechseln.

Auf die Frage, wie er sein Leben empfindet, hat er geantwortet: Na, schön selbstverständlich! Ich habe ein schönes Leben! Manches ist anstrengend und ich merke natürlich, dass die Zeit, die mir auf Erden bleibt immer kürzer wird. Aber ich liebe mein Leben.

Diese Aussage von ihm hat mir Kraft gegeben, seinen letzten Weg mit ihm so zu gehen, wie er es möchte. Ich war in ständigem Kontakt mit Tina, die für mich via E-Mail und SMS immer erreichbar war. So konnte ich sie auf dem Laufenden halten und sie konnte mir Tipps geben, wie ich mit Situationen am Besten umgehe.

Zwei Wochen hat es gedauert, bis Rocky so weit war, dass er auch das letzte Quäntchen Glück und Freude an seinem Leben in sich aufgesaugt hat und bereit war loszulassen.

Zwei Wochen, die für mich ein Segen aber auch eine Qual waren.

Jeden Morgen das bange Gefühl, wenn der erste Gang zu seinem Bettchen führt und man erstmal kontrolliert, ob er noch atmet.

Jeden Tag zu sehen, dass er immer weniger schafft, das ist nicht leicht.

Ich gebe zu, dass es Tage gab, an denen ich morgens im Bett lag und mir gewünscht habe, dass er nicht mehr atmet. Es gab auch Tage, an denen ich ihn am liebsten geschüttelt hätte und mir nur gewünscht habe, dass er loslässt und einfach einschlafen kann.

Und dann gab es wieder diese Momente, in denen ich mir gewünscht habe, dass er für immer bei mir bleibt. Unser abendliches Kuschelritual auf der Couch, wie er selig schnarchend auf meinem Bauch lag, das ist das, was mir am meisten fehlt und weshalb ich Abende auf der Couch im Moment noch nicht schaffe.

Sein Zustand wurde von Tag zu Tag schlechter,  er konnte nicht mehr gut laufen, er konnte nicht mehr von selbst aufstehen. Mein ständig hungriger Spaniel, für den Fressen alles im Leben war, verweigert das Futter oder frisst nur noch kleine Portiönchen. Es war hart, ihn so zu sehen. Die letzten Tage gingen an meine Kraftreserven. Er hatte heftige Wassereinlagerungen und kam nicht mehr von selbst hoch, wenn er lag. Zwei- bis viermal in der Nacht hat er mich geweckt, wenn er sich anders hinlegen wollte.

An diesem Punkt dachte ich, dass es besser wäre, seinem Leben ein Ende zu machen. Am nächsten Morgen hat er mich dann aber wieder geweckt, weil er im Unterzucker war. Das war der Punkt, an dem ich mir sicher war, dass noch Lebenswille in ihm steckt, sonst wäre er in diesem Moment eingeschlafen. Also habe ich mich zusammengerissen und die letzten Energiereserven aktiviert, um meinem geliebten kleinen Hund seinen letzten Willen zu erfüllen.

Am Sonntag, dem 23.7., war es dann soweit. Ich hatte morgens schon ein komisches Gefühl im Bauch. Mittags habe ich mit Tina geschrieben und sie gebeten, noch mal bei Rocky nachzufragen, ob es wirklich so weitergehen soll.

Der tapfere kleine Krieger hat in der Tierkommunikation darum gebeten, dass man ihm doch hilft auf die andere Seite zu kommen. Er benannte das Thema Euthanasie mit vollkommener Klarheit. Am Anfang seiner Begleitung hatte er Tina in der Tierkommunikation mitgeteilt, dass er erst sterben wolle, wenn sein Glückstank ganz voll sei. Und noch wäre ein kleines bisschen Platz für noch mehr Glück. Vor lauter Glück tanken hat er leider die eine der geeigneten Ausfahrten aus seiner Autobahn des Lebens verpasst und somit keine Möglichkeit mehr so friedlich und leicht auf die andere Seite zu kommen, wie er es ursprünglich geplant hatte.

Mithilfe unserer sehr lieben Tierärztin haben wir am Abend seinen letzten Wunsch erfüllt und ihm vor einem schmerzhaften Organversagen das Lebenslicht ausgehaucht. Ganz nach seinem Wunsch im Kreise seiner Lieben und in meinem Arm.

Während ich diese Zeilen schreibe, habe ich dicke Tränen in den Augen stehen, aber mein Herz ist voll von Dankbarkeit für die Zeit, die ich mit diesem kleinen Kämpfer erleben durfte.

Sechs Monate hat man uns damals gegeben, als er einzog, daraus hat er sechseinhalb Jahre gemacht und ich bin für jeden einzelnen Tag einfach nur dankbar.  Nie habe ich einen Hund erlebt, der trotz unendlich vielen Leiden und Krankheiten so eine Lebensfreude und Zufriedenheit ausstrahlt und so eine wahnsinnige Freude am Leben hat.

Danke an Rocky, dass er mir auch in den letzten Tagen und Wochen noch die Augen geöffnet hat für die Schönheit des Lebens und des Seins.

Danke an alle, die mir in dieser Zeit zur Seite standen.

Danke an Tina, dass sie diesen schweren Weg mit uns gegangen ist und mir die Angst genommen und mir gezeigt hat, dass der Tod nicht kalt und dunkel ist, sondern die Chance auf Transformation.

 

Run free, mein kleiner Kämpfer.

Behalte uns immer im Herzen so wie wir Dich im Herzen behalten und sage allen auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke, dass wir sie nie vergessen werden. <3

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Kommentare: 2
  • #1

    Simone (Dienstag, 01 August 2017 22:12)

    Machs gut kleiner Kämpfer, Rocky..
    Tanja, es ist so wundervoll geschrieben...

  • #2

    Daniela (Mittwoch, 02 August 2017 07:01)

    Wunderschön geschrieben ! Ich wünsche euch viel Kraft für die schwere Zeit ❤