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Das große Krabbeln - Zecken

Auch wenn wir erst Anfang März haben, sind die Zecken dank des milden Winters leider schon wieder unterwegs. Diese kleinen Biester erwecken bei mir Ekel und machen unseren Hunden zu schaffen. Die schlechte Nachricht ist, dass gegen die blutsaugenden Biester kein Kraut gewachsen ist. Die gute Nachricht ist, dass wir unsere Hunde auf vielfältige Weise schützen können.

Hier gibt es leider kein Patentrezept. Es gibt verschiedene Hundetypen, die mehr oder weniger von Zecken geplagt sind und somit passt nicht jedes Mittel zu jedem Hund. 

Leo zum Beispiel ist mit Franziska gemeinsam durch den Garten gewandert. Leo kam zurück mit 20 Zecken und Franziska hatte allerhöchstens eine oder zwei. Woran es liegt, kann ich leider nicht begründen, aber sicher ist es euch bei euren Hunden auch schon aufgefallen. Spätestens im Gespräch mit anderen Hundehaltern merkt man dann deutlich, dass die Zecken manch einen Hund zum Fressen gern haben.

 

Heute möchte ich euch einen – weitgehend objektiven – Einblick in die Welt des Zeckenschutzes geben. Weitgehend objektiv deshalb, weil ich kein Verfechter der Chemie bin. Schuld daran ist Kobold, der sich vor drei Jahren trotz Zeckenprävention (ja, ich habe wirklich die böse Tablette verabreicht, weil es mir so sicher und so einfach erschien bei drei Hunden mit dicken, dichten Locken) eine Anaplasmose eingefangen hat. 

 

Mittlerweile gibt es einige Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden. Hierzu gehören die Borreliose, FSME, die Anaplasmose und leider mittlerweile auch Babesiose und Ehrlichiose, auch wenn diese beiden nicht so häufig vorkommen.

Ich will diese fiesen Krankheiten kurz erklären, auch wenn ich kein Mediziner bin.

BORRELIOSE: Die Borrelien wandern vom Darm der Zecke in die Speicheldrüse, sobald Blut in den Darm der Zecke strömt. Dieser Prozess kann zwischen 16 und 24 Stunden dauern. Die Borrelien breiten sich im Blutkreislauf des Hundes aus und befallen vor allem Gelenke, aber auch in einzelnen Fällen das Nervensystem und Organe. Auf die Borrelien reagiert das Immunsystem erst sehr spät. Es kann zwischen vier bis sechs Wochen dauern, bis Symptome zu bemerken sind. Meist sind diese Symptome Mattheit, Abgeschlagenheit und Fieber. Sollte das Immunsystem die Erreger nicht bekämpfen können, können nach Wochen und Monaten schmerzhafte Gelenkentzündungen auftreten, auch Lahmheit, Fieber, Appetitlosigkeit sind möglich. Solltet ihr Veränderungen an eurem Hund bemerken, lasst ihn bitte vom Tierarzt checken und weist auf mögliche Zeckenkrankheiten hin.

FMSE (Frühsommer-Meningoenzephalitis): Von der FSME sind vor allem die südlichen Bundesländer in Deutschland betroffen. Beim Menschen ist diese Erkrankung bekannter, weil die schweren neurologischen Symptome dauerhaft bestehen bleiben können. Nach aktuellen Studien ist die FSME bei Hunden eher selten. Aber auch hier gibt es typische Symptome. Diese wären: Fieber, Schwindelgefühl, Muskelzittern, Lähmungserscheinungen. Bei FSME können leider nur die Symptome behandelt werden, hier gibt es noch keine Behandlung, die die Ursache bekämpfen könnte.

ANAPLASMOSE: Genau wie die Borreliose wird die Anaplasmose vom gemeinen Holzbock übertragen, der bei uns vorkommt. Auch die Anaplasmen sind Bakterien, die bestimmte weiße Blutkörperchen befallen. Es gibt mittlerweile Studien, die darauf hinweisen, dass jeder zweite bis fünfte Hund mit Anaplasmen infiziert ist. Nicht bei jedem Hund sind Symptome erkennbar. Anfängliche Symptome der Anaplasmose ähneln denen der Borreliose, also Mattheit, Fressunlust, Lahmheit und Gelenkentzündungen. Sobald euch euer Hund komisch vorkommt, rate ich auch hier wieder einen Tierarzt aufzusuchen und ein Blutbild inklusive Zeckenprofil machen zu lassen.

BABESIOSE: Babesien werden bei uns meist durch die Auwaldzecke übertragen. Sie zerstören die roten Blutkörperchen im Körper des Hundes und verursacht somit einen Blutmangel. Bis vor kurzem gehörte die Babesiose noch zu den Reisekrankheiten, aber durch die Verbreitung der Auwaldzecke sind Babesien auch bei uns nicht mehr so selten. Die ersten Symptome der Babesiose können hohes Fieber und dunkler Urin sein. Dem können Mattigkeit, Appetitlosigkeit und auch Gelbsucht folgen. Auch blasse Schleimhäute und ein niedriger Blutdruck können hinweise auf eine Babesiose sein. 

Solltet ihr an eurem Hund Veränderungen feststellen, die eindeutig mit einem Zeckenbiss in Verbindung stehen, sucht bitte euren Tierarzt auf.

EHRLICHIOSE: Auslöser dieser Krankheit sind auch hier wieder Bakterien, die die weißen Blutkörperchen befallen. In Deutschland kommen diese Bakterien fast gar nicht vor, hier sind eher die warmen Regionen um das Mittelmeer kritisch. Also denkt bei einem Urlaub mit eurem Hund unbedingt an ausreichenden Schutz gegen Zecken. Bei der Ehrlichiose gibt es eine akute und eine chronische Phase der Erkrankung. In der akuten Phase sind die Symptome Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Muskelzuckungen und Schwellungen der Lymphknoten. Auch hier empfiehlt sich der Gang zum Tierarzt, denn auch diese Erreger sind im Blutbild festzustellen. Auffällig durch zu wenige Blutplättchen und zu wenige weiße Blutkörperchen. 

 

Ganz ehrlich, nach dieser Auflistung habe ich einen gewissen Ekel in mir und mich krabbelt und juckt es überall. Wenn man sich das so durchliest, dann vergeht einem eigentlich die Lust auf Frühling und Sommer und ausgedehnte Spaziergänge durch Feld, Wald und Flur. Am liebsten würde man seinen Hund in Frischhaltefolie packen und mit Angler-Gummistiefeln raus gehen, weil man an jedem Grashalm eine Zecke mit bösem Erreger vermutet. Aber soweit soll es nicht kommen, denn wir haben ja auch was gegen Zecken!

 

Es gibt sogenannte repellierende Mittel, die die Zecken schon vor dem Zubeißen abwehren und es gibt (chemische) Mittel, die die Zecke nach dem Biss sterben lassen. Hier kommt es aber auch wieder darauf an, wie lange die Dauer zwischen Biss und Absterben der Zecke ist. Sterben die Zecken schnell genug ab, haben sie nicht die Möglichkeit Krankheiten zu übertragen. Dauert es aber, bis sie absterben, ist das Risiko der Übertragung einer der oben genannten Krankheiten doch möglich.

 

Es gibt viele ungiftige, natürliche Möglichkeiten der Zeckenprävention. Homöopathisch könnt ihr mit eurem Hund eine Kur mit Globuli machen, die in Kombination mit einem passenden Konstitutionsmittel euren Hund nicht mehr so anziehend für Zecken machen können. Es gibt auch ungiftige Mittel, die man auf das Fell auftragen kann. Hierzu könnt ihr gerne mit dem Tierheilpraktiker eures Vertrauens sprechen. 

Natürliche Maßnahmen zur Zeckenabwehr wären auch noch Bernsteinketten, EM-Keramik, Zeckensprays (auf pflanzlicher Basis), Zeckennosode, Cistus (Zistrose), Knoblauch-Granulat, Kokosöl, Schwarzkümmelöl und die diversen Präparate der Pharmabranche wie Spot-ons und Zeckenhalsbänder.

Für was ihr euch entscheidet, ist wirklich eine Sache des Ausprobierens. 

 

Franziska kommt mit der Bernsteinkette prima zurecht und lässt sich auch ganz brav absuchen. 

Bei Momo wirkt die Bernsteinkette leider gar nicht und sie scheint wirklich „süßes Blut“ zu haben, denn die Zecken haben sie wirklich gerne.

Happy wiederum hat die Bernsteinkette so gar nicht vertragen und sich nur gekratzt. Kokosöl fällt bei ihm leider aus, weil er das aufgrund seiner Allergien nicht verträgt. Er ist aber auch wiederum ein Kandidat, den die Zecken wenig bis gar nicht leiden können und bei seinem dünnen, immer weniger werdenden Fell ist ein gründliches Absuchen gar kein Problem.

Kobold, Benja und Danu machen es einem da echt schwer. In den dicken, dichten Locken können sich die Zecken so gut verstecken, dass man sie gar nicht findet. Naja, meistens erst dann, wenn sie vollgesogen irgendwo rumliegen – im dümmsten Fall in meinem Bett.

Bedingt durch die Tatsache, dass Benja auch mit Michael im Training der Rettungshundestaffel ist und das viel im Wald, haben die drei dann doch die Chemiekeule um den Hals, aber gut versteckt in einem schicken Zierhalsband.

 

Wie könnt ihr die verschiedenen natürlichen Mittel nun anwenden?

Sowohl Kokosöl als auch das Zeckenspray werden vor dem Gassi gehen auf den Hund aufgebracht. Das Kokosöl (ca. eine haselnussgroße Kugel) verreibt ihr einfach zwischen euren Handflächen und reibt dem Hund die Beine und den Brust- und Bauchbereich ein. Sollte der Hund es ablecken ist es nicht schlimm, es kann ja auch ohne weiteres als Öl in die Fütterung mit eingebunden werden. Beim Zeckenspray ist es genau so, dass ihr Beine, Brust- und Bauchbereich des Hundes einsprüht. Bitte seid da behutsam. Nicht jeder Hund findet das Sprühgeräusch toll und lässt die Prozedur ohne weiteres über sich ergehen.

Die Bernsteinketten und Schmuckbänder mit EM-Keramik sollte der Hund dauerhaft tragen. Bei Bernstein ist es möglich, dass sich die Steine elektrostatisch aufladen und das kann für den Hund unangenehm sein. Ihr merkt das daran, dass sich euer Hund auffällig oft kratzt. Im Abstand von vier Wochen sollten sowohl die Bernsteine als auch die EM-Keramik abgenommen und unter fließendem Wasser gereinigt werden. Zum Trocknen legt ihr sie einfach in die Sonne, damit sie sich wieder aufladen können. Über den Sinn oder Unsinn von Bernstein und EM könnte man ganze Abhandlungen schreiben, aber es gibt Hunde bei denen es wirkt und welche, bei denen es gar nicht wirkt.

Im Gegensatz zum Kokosöl wird das Schwarzkümmelöl mit dem Futter gegeben. Manche Hunde mögen es leider nicht, weil es wirklich sehr streng riecht. Bei Schwarzkümmelöl empfehle ich eindringlich, sich an die empfohlene Dosis pro Kilo Körpergewicht des Hundes zu halten, weil es bei übermäßiger Gabe lebertoxisch wirken kann. Und wir wollen unserem Hund ja etwas Gutes tun und ihn nicht vergiften! Natürlich könnt ihr das Kokosöl auch zum Futter geben, genau wie Knoblauch-Granulat.

Es gibt einige Spot-on-Präparate auf pflanzlicher Basis, die man auch gerne ausprobieren kann. Hierbei solltet ihr aber darauf achten, ob euer Hund sie riechen kann. Hört sich komisch an, aber diese Präparate bestehen meist aus ätherischen Ölen, die für uns Menschen schon sehr stark riechen, also ist es für unsere Hunde noch viel heftiger. 

Die Zeckennosode bekommt ihr bei homöopathisch arbeitenden Tierärzten und Tierheilpraktikern. Es sind Globuli, die in bestimmten zeitlichen Abständen verabreicht werden. 

 

Sucht euren Hund auf jeden Fall nach jedem Gassi gehen ordentlich ab oder bürstet ihn durch. So findet ihr gleich die fiesen Krabbeltiere und sie haben gar keine Chance sich festzubeißen.

 

Aus einer kurzen Info ist jetzt doch ein halber Roman geworden und ich hoffe, dass ich euch nicht allzu viel Angst und Juckreiz verursacht habe, aber wie ihr gemerkt habt, liegt mir das Thema Zecken bzw. die Fernhaltung dieser Krabbeltiere sehr am Herzen.

Ich wünsche euch und euren Hunden auf jeden Fall einen wunderschönen Frühling mit möglichst wenig blutsaugenden Begegnungen.

 

Wenn ihr noch Fragen zum Thema Zecken habt, sprecht uns gerne an, wir beraten euch gerne. Auch Diane Kolb kann euch weiterhelfen. Sprecht auch sie gerne an, wenn sie bei uns zu Gast ist.

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