Farewell, grumpy old man

Nie werde ich den Tag vergessen als ich mit meiner lieben Freundin Diana an der Raststätte Fulda ankam, um Happy zu übernehmen.
Tagelang hat mich die Anzeige von ihm verfolgt. Kleiner alter Pudelherr, der nach Tod des Herrchens und dem Umzug des Frauchens in ein Pflegeheim nach einem neuen Zuhause suchte. Sieben Jahre alt, sehbehindert und Diabetes. Er hatte so viele Anfragen, aber alle sind vor der Diabetes zurückgeschreckt. Immer wieder habe ich die Anzeige weggeklickt, weil meine Vernunft mich ausgebremst hatte. Letzten Endes hat das Herz gesiegt und ich dachte mir, dass hier noch Platz ist und auch ein zweiter Diabetiker kein Problem ist.
Es war ein regnerischer kalter Tag, der Wind hat gepfiffen und wir standen am Parkplatz der Raststätte und haben auf ihn gewartet. Die Übergabe erfolgte recht schnell und so hatte ich den kleinen Zwerg an seiner Leine neben mir und wir liefen zum Auto. Ich sagte noch zu Diana, dass er unbedingt einen neuen Namen braucht, weil ich mit Benny nicht leben kann. In dem Moment fängt sie zu lachen an und sagte mir, dass er ihr gerade via Tierkommunikation mitgeteilt hat, dass ich ihn Happy nennen darf und wenn er nicht folgt, dann darf ich Herbert sagen.
Somit war von der ersten Sekunde an klar, dass der kleine alte Herr schon seinen eigenen Kopf hat und weiß, was er will.
Über fünf Jahre hat er uns hier auf Trab gehalten. Nach zwei Wochen war klar, was wir uns da ins Haus geholt haben. Er war das Modell „Hausmeister“. An allem hatte er etwas auszusetzen. Spielzeuge - alles seine und er hat sie mit Leib und Leben verteidigt. Essen - auch alles seins und wehe es kam einer in seine Nähe, wenn er was zu futtern hatte.
Ich kann es nicht mehr zählen, wieviele selbst verschuldete Bisswunden er hatte. Seine Laune wurde ja mit mehr und mehr schwindendem Augenlicht immer mieser und als die Augen ihren Dienst komplett eingestellt haben, hatte er eigentlich dauerhaft schlechte Laune. Für mich war es immer wieder faszinierend, wie gut sich die restlichen Hunde auf ihn eingestellt haben, wie oft sie über sein Gemecker hinweggeschaut haben und ihn gewähren ließen.
Auf der anderen Seite war er ein total verschmuster und extrem tapferer Kerl, der auch in seinem Alter noch extrem verspielt war.

Egal, ob Zuckermessen, Insulin spritzen, er hat es immer brav mitgemacht und kam jedes Mal freudig in die Küche gewackelt, wenn ich ihn mit den Worten „Happy, Kontrolle!“ gerufen habe. Auch bei allen Tierarztbesuchen war er immer tapfer und hat alles brav mitgemacht. Er war schon echt eine coole Socke!

Nie hätte ich gedacht, dass der schrullige kleine alte Mann so einen großen Platz in unseren Herzen hat. So oft hatte ich überlegt für ihn ein neues Zuhause zu suchen in dem er der Prinz sein kann, weil er mit dem Rudelleben und dem Temperament der jüngeren Hunde nicht klar kam, aber das Schicksal wollte es so, dass er bei uns bleibt.

Ich hätte Stein und Bein schwören können, dass den alten Mann nichts aus den Locken haut und er mindestens 18 Jahre alt wird. Er hat sämtliche Zahnsanierungen und auch seine große OP bei der die Augen entfernt wurden so cool hinter sich gebracht, dass es uns immer wieder in Erstaunen versetzt hat.
Am Sonntag habe ich eine Beule an seinem Kinn festgestellt, am Montag hatten wir einen Termin bei unserer Tierärztin mit Röntgen. Die Beule war zu sehen, aber leider nicht zu definieren, also haben wir für Dienstag einen Termin ausgemacht, damit er in Narkose weiter untersucht und gegebenenfalls biopsiert werden kann. Leider hat das Röntgenbild gezeigt, dass ein Tumor seinen Kieferknochen schon komplett zersetzt hat und somit blieb uns nur noch die Entscheidung, ihn gar nicht mehr aus der Narkose aufwachen zu lassen.
Innerhalb weniger Minuten zu entscheiden, dass man seinen geliebten Hund gehen lässt war echt eine der schlimmsten Entscheidungen meines Lebens. Bis jetzt war es bei unseren Hunden, die schon über die Regenbogenbrücke gegangen sind so, dass man Zeit hatte, sich auf den Abschied einzustellen. Aber Happy hatte andere Pläne, normal war nicht in seinem Lebensplan vorgesehen. 
Unser kleiner Silvesterknaller hatte auch seinen Abschied mit einem Knall geplant und das auch so durchgezogen. Run free, mein kleiner Stunkstiefel, meine kleine Nervensäge, mein wandelndes Tourettesyndrom, mein kleiner Herr Schuhbert, wir vermissen Dich ohne Ende und die Stille, die jetzt herrscht ist nur schwer zu ertragen.
Während ich das schreibe, stehen mir schon wieder die Tränen in den Augen, weil ich nie wieder meine Schuhe im ganzen Haus suche, die Du liebevoll überall verteilt hast, weil ich nie wieder fluche, weil Du irgendwelche Pfützen in der Wohnung hinterlassen hast, weil ich immer an Dich denke, wenn ich abends das Nachtlicht anschalte, ohne dass Du nicht schlafen konntest. 
Grüße mir alle auf der anderen Seite des Regenbogens und freu Dich darüber, dass der Himmel für Dich nicht voller Geigen, sondern voller Schuhe hängt. 
Für immer wirst Du einen ganz festen Platz in unserem Herzen haben, weil Du nicht einfach so in Worte zu fassen bist. Du warst und bleibst einfach ein ganz besonders Unikat!

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