2. Advent - 2 Knalltüten und das Atmen

Haus Resi - Geschrieben am 28.12.2020

Heute haben wir schon den 2. Advent und die Vorweihnachtszeit soll ja eigentlich die stade Zeit, die Zeit der Besinnlichkeit sein. Davon merkt man trotz einem Lockdown light leider nicht viel und es herrscht viel Hektik und Betriebsamkeit auf den Straßen und in den Läden.
Das und die Tatsache, dass Max und Kobold gerade echt aktiv an meinen etwas dünnen Nerven sägen, hat mich wieder einmal zu ein paar Gedanken angeregt. Bei beiden, so unterschiedlich sie sind, ist Atmen und sich selbst spüren ein sehr großes Thema.

Kobold, seines Zeichens Hütehund durch und durch, ist eine absolute Energieschleuder. Höher, weiter, schneller - nein, am schnellsten, ist sein Motto. Wenn man ihn lässt, dann pusht er sich selbst so heftig, dass er beim Gassi gehen wie eine Flipperkugel hin und her rennt. Ich kann euch wirklich nicht in Worte fassen, wie nervös das machen kann. Da hilft nur eins: stehenbleiben und atmen.

Atmen bei Kobold bedeutet bei mir, dass ich hüftbreit stehe, mir mit den Augen einen Punkt suche und bewusst einatme und ebenso bewusst ausatme, wobei ich die Energie über die Beine und die Füße in den Boden fließen lassen, sozusagen in die Füße atme. Das hilft mir ungemein, um diese Hibbeligkeit mit der Kobold mich ansteckt, einfach loswerden kann. An besonders hibbeligen Tagen versuche ich hierbei noch meinen Körper zu fühlen. Das könnt ihr gerne einmal austesten. Bleibt ruhig stehen, habt einen festen Stand und dann ballt ihr einfach mal eine Hand zur Faust und spürt mal in welchen Teilen des Körpers man das überall spürt. Das Ganze funktioniert auch prima mit den Zehen. Zieht die Zehen im Schuh mal ganz fest an, sozusagen zu einer Art Klaue, und spürt ganz bewusst in euren Körper hinein, welche Muskeln bei dieser Bewegung der Zehen mitspielen.

Tja, und nun zu Max. Er ist das krasse Gegenteil. Er ist ein extremer Energiesparer. Bewegung ist für ihn pure Energieverschwendung und wenn 350 kg nein sagen, dann braucht es wirklich gute Argumente, um ihn davon zu überzeugen, dass nein gerade nicht die richtige Lösung ist. Der einzige Weg Max vom Energiesparen abzubringen ist, ihn aus seiner Komfortzone zu holen. Was wiederum zur Folge hat, dass das Energiesparmodell zur hysterischen Diva mutiert. Auch keine Aktion, die man unbedingt haben muss.

Atmen bei Max bedeutet deshalb bei mir, dass ich tief einatme, mich groß mache und präsent bin und ihn mit dieser Energie mitnehme. Ebenso bremse ich ihn über die Atmung indem ich ausatme und die Spannung mit dem Atem aus meinem Körper lasse. Sollte Max doch mal unruhig werden ist auch hier die Atmung mein Instrument, um ihn spüren zu lassen, dass Aufregung gerade gar nicht nötig ist. Auch hier ist ein sicherer Stand wieder eine gute Grundlage, um ruhig zu atmen und das mulmige Bauchgefühl wegzuatmen, um wieder ruhig und sicher die Führung zu übernehmen. Beim Pferd ist das Spüren des Körpers noch viel intensiver, wenn man im Sattel sitzt, weil man eine direkte Reaktion des Pferdes bekommt, wenn man mal eine Faust macht oder die Zehen zusammenkrallt. Durch den Sitz im Sattel spürt man die betroffenen Körperpartien noch viel intensiver als im Stehen. Also, an alle Reiter, testet es einfach mal aus wie euer Pferd reagiert. Auch das Atmen wird beim Reiten sehr schnell durch eine Reaktion des Pferdes kommentiert.
So haben meine beiden Nervensägen mir also schon unsäglich viel beigebracht, was mir auch im Alltag oft hilft, auch wenn ich es nicht immer so gut umsetzen kann wie ich es hier gerade schreibe. Aber allein der Gedanke daran und die Tatsache, dass ich mir dessen wieder etwas bewusster geworden bin, ist ein guter Anfang, um die Ruhe, die Atmung und die innere Entspannung wieder öfter mal im Alltag einzusetzen.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen 2. Advent und einen ruhigen Wochenendausklang. <3